Starke Leistung wird nur spärlich belohnt – Pinguins verlieren in Mannheim 3:4 (0:1; 2:0; 1:2; 0:1) n. V.
Es hat mittlerweile schon den Hauch von Wundertüte, welche Akteure Headcoach Alexander Sulzer im nächsten Spiel einsetzen kann. Nachdem sich unter der Woche auch noch Florian Reinwald und Nicholas Jensen abgemeldet hatten, kehrten zumindest Nino Kinder und Alex Broadhurst ins Aufgebot zurück. Dafür musste Kristers Gudlevskis eine bürokratische Zwangspause einlegen, weil nur neun Kontingentstellen auf dem Spielbericht besetzt werden dürfen und bei den Feldspielern jede halbwegs gesunde Arbeitskraft zwingend benötigt wird.
So konnten die Norddeutschen in der Offensive erstmals wieder mit vier kompletten Reihen auflaufen. Zur Abwehr des zu erwartenden Sturmlaufs der Adler Mannheim standen derweil jedoch nur zwei Blöcke zur Verfügung. Und die hatten gleich mächtig zu tun. In der zweiten Spielminute umkurvte Matthias Plachta das Bremerhavener Tor und da musste Angreifer C. J. Smith für seinen bereits geschlagenen Keeper Leon Hungerecker am rechten Gestänge in die Bresche springen. An gleicher Stelle verpasste John Gilmour wenig später die Gelegenheit zum Führungstreffer (5.). Anschließend beantwortete Andy Miele zaghaft die vorherige Chance der Hausherren durch Dan Renouf aus de Halbdistanz (6.). Mit wesentlich mehr Treibstoff war der Onetimer von Phillip Bruggisser unterwegs, den Mannheims Schlussmann Jake Hildebrand zu verarbeiten hatte (8.). Glück für die Frackträger, dass Max Calce den eigenen Rebound seiner Doppelchance nur ans Außennetz klebte (11.). Eine Strafzeit gegen Dan Renouf blieb ungenutzt (18.). Allmählich befreiten sich die Pinguins vom Druck der Quadratestädter. Dennoch versorgten die sich mit einer Führung zur ersten Drittelpause durch Marc Michaelis, der eine schöne Kombination über Dan Renouf und Nicolas Mattinen erfolgreich zum 0:1 abschloss (19.).
Im Mittelabschnitt waren die Hausherren auf der Suche nach dem Schwung der ersten 20 Minuten und die Bremerhavener erschlichen sich mehr und mehr die Übernahme der Regie auf dem Eis. Dabei bereitete Phillip Bruggisser für den frei postierten Parker Tuomie auf, doch Jake Hildebrand bugsierte die Scheibe irgendwie über das Quergestänge (28.). Ausgerechnet in Unterzahl – Matthew Abt saß auf der Strafbank – kamen die Pinguins zum 1:1-Ausgleich. Andy Miele trieb einen Konter wieselflink ins Mannheimer Drittel und bediente Christian Wejse, der mühelos einschob (29.). Ein Vorteil schien das eigene Powerplay nicht zu sein, denn Akito Hirose verlor das Spielgerät bei numerischer Überlegenheit an Tom Kühnhackl und Leon Hungerecker konnte nur mit viel Mühe einen Einschlag verhindern (31.). Anschließend lief es wieder wesentlich besser bei den Pinguins. Matthew Abt bediente Keean Washkurak, der die Scheibe jedoch nicht voll traf (34.). Nachdem Phillip Bruggisser mit einer tollen Einzelleistung nur den linken Pfosten getroffen hatte, fackelte C. J. Smith nach einem Bully in der Mannheimer Zone nicht lange und zirkelte das schwarze Gummi zum 2:1 in die rechte obere Ecke (38.). So versorgten sich diesmal die Bremerhavener mit einer Führung in der folgenden Pause.
Die Mannheimer waren dem Ausgleich ziemlich nahe, als Lukas Kälble abgezogen hatte. Leon Hungerecker wähnte die Scheibe unter sich, musste aber nachfassen. Dem nachsetzenden Kristian Reichel erklärte Kapitän Christian Wejse die Hausordnung in der ansonsten sehr fairen Begegnung (45.). Maximilian Heim hatte seine Zielvorrichtung anscheinen noch auf „Tontaubenschießen“ eingestellt, denn sein Versuch ging deutlich über den Bremerhavener Kasten (48.). Besser klappte es bei den Adlern eine Minute später. Leon Hungerecker wehrte ein Geschoss von Anthony Greco unglücklich ab und Nicolas Mattinen staubte zum 2:2 ab (49.). Die Hinausstellung von Christian Wejse wegen eines hohen Stocks bestraften die Mannheimer gnadenlos durch Marc Michaelis – 2:3 (52.). Allerdings fanden die Pinguins eine schnelle Antwort. Nur 45 Sekunden später schweißte Miha Verlic die Scheibe zum 3:3 in die Mannheimer Kiste (53.). Andy Miele hatte sogar kurz vor Ende der regulären Spielzeit noch den Siegtreffer auf dem Schläger, doch Jake Hildebrand rettete sein Team in die Verlängerung (60.).
Dort hatten Nino Kinder (61.) und Miha Verlic gute Gelegenheiten, während Matthias Plachta (63.) seine Mannschaft den Zusatzpunkt hätte sichern können. Als sich die 12.052 Zuschauer bereits auf ein notwendiges Penaltyschießen einstellten, packten die Hausherren noch einen aus. Über Leon Gawanke wanderte die Scheibe zu Kristian Reichel und dessen Zuckerpass bugsierte Justin „Pizzagesicht“ Schütz zum 3:4 ins Bremerhavener Tor (65.).
Chapeau für die Leistung der Pinguins mit diesem Rumpfkader. Wohl niemand hätte mit diesem dezimierten Kader an einen Punktgewinn bei den Mannheimer Adlern gerechnet. Umso erfreulicher, wie die verbliebenen Protagonisten sich zusammenraufen und mit viel Leidenschaft diese Zeit zu überbrücken versuchen. Die Treffsicherheit hat sich auch stark verbessert, nur am Powerplay muss weiter gefeilt werden. Nach der Partie am Sonntag in der heimischen Arena gegen die Straubing Tigers dürfen die Spieler zumindest 12 Tage wegen des Deutschland-Cups verschnaufen. Und wer weiß, vielleicht kehrt ja auch mal wieder ein schmerzlich vermisster Kollege in den Kader zurück.